BlogNachgefragt

Schlauer arbeiten – Interview mit Stefan Pfeiffer (IBM)

Im Dezember letzten Jahres hat Stefan Pfeiffer von IBM zur Blogparade zum Thema „Schlauer Arbeiten“ aufgerufen. Wir sprachen mit ihm über die Idee dahinter und die Zukunft der Arbeitswelt mit Cognitive Computing.

Was steckt hinter der Idee der Blogparade zum Thema „Schlauer Arbeiten“?

Stefan Pfeiffer: Der eigentliche Grund der Blogparade ist Frust – darüber, dass es uns seit Jahren nicht gelingt, „schlauer“, d.h. produktiver und entspannter zu arbeiten. Seit der E-Mail, gab es keine wirkliche Innovation beim „Bearbeiten“ am Büroarbeitsplatz. Die Flut der E-Mails ist noch mehr geworden und wir arbeiten sie weiterhin stupide sequenziell ab. Dateien verschicken wir meist als Anhang. Wertvolles Wissen verschimmelt in Postfächern. Hinzu kommen weitere Kommunikationskanäle wie Chatten oder Texten. Smartphones und Tablets haben uns zwar „mobilisiert“, aber an der Informationsüberflutung haben sie nichts geändert. Es ist an der Zeit, sich über schlaueres Arbeiten Gedanken zu machen und das unter technologischen wie auch organisatorischen Gesichtspunkten. Nicht umsonst werden aktuell viele Aspekte vom Home-Office und mobilen Arbeiten bis zur Notwendigkeit flacher Hierarchien diskutiert.

IBM hat gerade entscheidende Fortschritte im Bereich kognitive Lösungen, Systeme der künstlichen Intelligenz gemacht. Worin liegen die Chancen von Cognitive Computing? Und welche Vorbehalte gibt es?

Stefan Pfeiffer: Kognitive Systeme wie IBM Watson sind in der Lage, eine Unmenge an Informationen intelligent zu verarbeiten, zu analysieren, daraus zu lernen, Zusammenhänge herzustellen, zu bewerten und Handlungsempfehlungen zu geben. IBM Watson besiegt nicht mehr nur den Menschen in der Jeopardy-Spielshow. Watson wird auch in der Krebsvorsorge oder als Bankberater eingesetzt. Da liegt es nicht fern, solche Systeme auch am Arbeitsplatz einzusetzen – als persönlicher Assistent und Experte, der dem Mitarbeiter bei der Arbeit hilft. Skeptiker thematisieren einerseits den Arbeitsplatzverlust
durch Kollege Roboter – eine berechtigte Angst. Aber wir haben technologischen Fortschritt nie aufhalten können, daher müssen wir die Einführung human gestalten und darauf achten, dass weiterhin genug Arbeit da ist. Darüber hinaus besteht die Angst des Kontrollverlusts: Wann ist der Computer schlauer als wir und trifft für uns die Entscheidungen, ohne uns zu fragen? Ich stimme zu, dass wir unbedingt darauf achten müssen, dass wir Menschen die Kontrolle behalten. Und ist nicht der Missbrauch von Maschinen und Technologien durch den Menschen das höhere Risiko?

Welche Aufgaben können kognitive Systeme übernehmen? Wie wird sich die Arbeit durch kognitive Systeme verändern?

Stefan Pfeiffer: Arbeit ist heute vor allem durch bremsende Standardprozeduren des alltäglichen Mikromanagements geprägt – E-Mails abarbeiten, Termine finden, Dokumente suchen, Genehmigungen einholen etc. Kognitive Systeme sind in der Lage, den Mitarbeiter von lästigen Routinearbeiten zu befreien und können helfen, Aufgaben zu priorisieren oder deren Abarbeitung vorzubereiten: E-Mails beantworten, Informationen und Anhänge heraussuchen oder Meetings anberaumen. Je nach Branche oder Anwendungssystem kann ein kognitives System mit entsprechendem Fachwissen angefüttert werden. Auf Anfrage spuckt es die entscheidende Information aus und führt den Nutzer an deren Quelle. Das System überblickt sämtliche relevante Inhalte. Es weiß nicht nur, wo sie zu finden sind, sondern lernt auch, in welchem Zusammenhang sie gebraucht werden und stellt sie entsprechend bereit.

Wie sieht der „Arbeitsplatz der Zukunft“ aus?

Stefan Pfeiffer: Der Arbeitsplatz der Zukunft ist mobil. Man ist überall verfügbar. Wir werden neue Ein- und Ausgabegeräte wie z. B. Apple Watch oder Google Glass haben. Intelligente Systeme werden viele Fragen beantworten.

 

Die vielfältigen Einschätzungen und Gedanken von dreizehn Vertretern unterschiedlicher Professionen können Sie im E-Book „Schlaueres Arbeiten durch Cognitive Computing 2016“ nachlesen, das im Anschluss an die Blogparade entstanden ist. 

E-Book „Schlaueres Arbeiten durch Cognitive Computing 2016“ kostenfrei herunterladen

 

Das Interview ist erschienen im Fachmagazin BEYOND – Ausgabe 6 zum Thema Interne Kommunikaiton im mobilen Zeitalter

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