Panorama

Digitalisierung der Internen Kommunikation – Pro & Contra

Digitalisierung der Mitarbeiter – ist das die Zukunft oder eher eine unzureichende Strategie der Internen Kommunikation?
In der dritten Ausgabe des Fachmagazins BEYOND widmen sich Santo Pane, Geschäftsführer bei ergo Kommunikation, und Richard Weinmann, Vice President Sales der mindsmash GmbH der Digitalisierung und blicken aus einer Pro- und Contra-Perspektive auf die Zukunftsfähigkeit und den Alleinstellungsanspruch digitaler Medien in der Internen Kommunikation.

Pro: Digitalisierung ist die Zukunft der Internen Kommunikation

von Richard Weinmann

Es ist morgens. Und ein guter Tag beginnt – dank einer digitalen Kommunikation. Das Unternehmen, in dem ich arbeite, verfügt über ein Social Network. Unsere interne Kommunikation wird via Notebook, Tablet und Smartphone abgewickelt. Digital, sehr erfolgreich. Effizient, transparent und immer aktuell. Unabhängig von Ort und Zeit. Alle „meine“ Informationen laufen hier zusammen. Bevor ich ins Büro fahre, überfliege ich die ersten Posts. Von meiner Projektgruppe liegt bereits ein aktualisierter Ergebnisbericht im PDF-Format vor, und von unserer Laufgruppe erfahre ich, dass der Termin heute ausfällt. Meine Sporttasche muss ich also nicht packen. Die Vorteile der zunehmenden Digitalisierung der internen Kommunikation liegen nicht mehr „auf der Hand“, sondern auf dem Bildschirm. Die Globalisierung und der stetige Drang nach Aktualität forcieren das Arbeiten in virtuellen und globalen Teams. Beispielsweise wird Expertenwissen via Wikis zusammengetragen und buchstäblich vernetzt. Vertragsversionen können einfach miteinander verglichen werden. Moderne Arbeits- und Zeitmodelle unterstützen den Drang nach Digitalisierung. Der Flurfunk ist bei einem Home- Arbeitsplatz nicht vorhanden. Dafür steht heute u. a. das Chatten zur Verfügung. Ganz unkompliziert. Damit erleben selbst die Kollegen mit Außenterminen interne Kommunikation! Endlich können Unternehmen mit einem Netz aus Filialen und Außendienstmitarbeitern diese direkt in die interne Kommunikation mit einbinden. Und der wachsende Markt für Enterprise Social Networking zeigt, dass der Bedarf dieser Art der Kommunikation stetig steigt. Die zunehmende Integration verschiedenster Apps und Module unterstützt diesen Trend. Geschäftsentwicklungen werden transparenter und interaktiv den Mitarbeitern angeboten. Mit Kommentarfunktion für eine Rückmeldung. Das unterstützt den Dialog und die Motivation. Mit Leichtigkeit können via Knopfdruck innerhalb weniger Minuten Umfragen durchgeführt werden. Projektarbeiten werden in kürzester Zeit organisiert und alle Stakeholder umfassend informiert. Es ist Abend. Ich lese einen Artikel und poste noch kurz einen interessanten Aspekt daraus. Und ich freue mich auf den nächsten neuen Tag mit meiner digitalen Welt. Ich freue mich auf die Zukunft. Übrigens: Eine persönlich unterschriebene Geburtstagskarte zaubert noch immer ein Lächeln auf mein Gesicht …

 

Contra: Digitalisierung ist keine ausreichende Strategie der Internen Kommunikation

von Santo Pane

Digital. Fast inflationär taucht dieser Begriff in Zusammenhang mit der internen Kommunikation auf und erweckt den Eindruck, dass für das gedruckte Wort das letzte Stündlein geschlagen hat. Kein Wunder also, dass nahezu jedes Briefing „Ideen für den Ausbau der digitalen Kommunikation und Vernetzung“ fordert. Doch werden Onlinemagazin, App und (Social) Intranet die klassische Mitarbeiterzeitung wirklich ablösen? Nein. Denn in Zeiten permanenter Veränderung, in denen immer mehr Menschen das Gefühl haben, ihr Leben wird schneller und die Informationsflut größer, braucht die interne Kommunikation zum Schnellboot Digital einen Ausgleich. Einen Anker für den ruhigen Moment zu Hause oder in der Bahn – etwas, in dem ich blättern, das ich anderen zeigen kann, ohne dass sich vier Augen eine Oberfläche von 72 cm² teilen müssen. Sicherlich haben die Verfechter der digitalen Migration interner Unternehmenskommunikation recht, dass digital aktueller ist, der Trend zum Onlinelesen nicht allein die Generation Y betrifft und der Austausch über das Social Web immer beliebter wird. Und dass eine Mitarbeiterzeitung all das nicht leisten kann. Aber das muss sie auch nicht. Denn sobald die tagesaktuelle Information der Belegschaft und deren Versorgung mit Nachrichten durch digitale Kanäle übernommen wird, kann sich die Mitarbeiterzeitung wieder auf ihre Kernfunktion konzentrieren: hinter die Kulissen schauen, Geschichten erzählen, Zusammenhänge erläutern. In dieser Funktion ist sie kaum zu ersetzen. Darüber hinaus erfüllen der Aufwand, den Unternehmen für eine ansprechende Gestaltung betreiben, sowie die Haptik eines Printprodukts eine weitere Funktion: Sie bringen Wertschätzung zum Ausdruck und unterstützen so die emotionale Bindung an den Arbeitgeber – der Beschäftigten selbst und zusätzlich ihres sozialen Umfeldes wie der Familie oder des Freundeskreises. Digitalisierung allein ist daher als Strategie nicht ausreichend dafür, was interne Kommunikation heute und in Zukunft leisten muss. Ja, sie kann Wissenstransfer fördern und Austausch unterstützen. Doch um darüber hinaus Motivation zu steigern und Identifikation zu erhöhen, wird eine emotionale Ansprache benötigt, wie sie nur ein Mitarbeitermagazin oder eine Zeitung leisten kann. Eine intelligente Verknüpfung von digitaler und analoger Kommunikation wird somit zur Königsdisziplin der Internen Kommunikation.

 

Zu den Autoren:

Pane_Santo

Santo Pane ist seit fünf Jahren Mitglied der Geschäftsführung bei ergo Kommunikation, einer der führenden deutschen Kommunikationsberatungen. Er berät Kunden bei der strategischen Positionierung, Produkt- und Innovationskommunikation, internen Kommunikation sowie der Restrukturierungs- und Insolvenzkommunikation.






Weinmann_RichardRichard Weinmann ist Vice President Sales der mindsmash GmbH. Das Unternehmen ist Hersteller der webbasierten Intranet- und Knowledge-Management- Software COYO, mit der sich Mitarbeiter und Partner auf moderne Weise miteinander vernetzen.

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