Nachgefragt

3 Fragen an… Lutz Hirsch

Lutz Hirsch über Social Intranet, Hürden beim Einsatz und die Balance von Vernetzung und Relevanz.

Welche Stellung haben Social Intranet und Social Software mit Blick auf die etablierten Instrumente der Internen Kommunikation?

Die etablierten Instrumente werden durch Social Software um eine moderne und zeitgemäße Dialogkomponente ergänzt. Mitarbeiter möchten sich in Unternehmen konstruktiv einbringen und stärker an der Meinungsbildung zu Unternehmensthemen beteiligt werden. Ergänzend dazu wollen Führungskräfte näher an die Mitarbeiter heranrücken und sind an direktem Feedback und an einer qualifizierten Fachdiskussion interessiert. Die Formate wie ‚Town Hall Meetings’ und ‚Frühstücksrunden’ sind erst ein Anfang. Social Software erlaubt zusätzlich in kürzester Zeit den Einbezug vieler Mitarbeiter über Standortgrenzen hinweg.

Woran können Social Intranets scheitern?

Social Intranets scheitern, wenn Mitarbeiter keinen Nutzen für ihre tägliche Arbeit erkennen. Anders als im Internet fehlt im Unternehmen die Zeit für die spielerische Erkundung neuer Technologien. Wenn nicht klar kommuniziert wird, von wem ein Social Intranet wozu verwendet werden soll, wird die neue Plattform ein Ort für Spezialisten bleiben. Der Netzwerkeffekt im Unternehmen bleibt dann aus. Eine weitere Hürde ist die Parallelität von technischen Plattformen. Wenn ein klassisches Intranet neben einer Kollaborationslösung, einem Prozessportal und einer neuen „Social Network“-Plattform existiert, kann daraus schwer ein homogenes Social Intranet entstehen.

Social Intranet verspricht Interaktion und Vernetzung. Gleichzeitig besteht die Gefahr der Informationsüberflutung. Wie gelingt es, Relevantes aus dem Informationsstrom zu filtern? Wie viel Interaktion verträgt das Intranet?

Ein Social Intranet wird mit dem Ziel eingeführt, möglichst viele Mitarbeiter über umfangreiche Interaktionselemente zu erreichen und zu wichtigen Themen zusammenzubringen. Allerdings darf nicht das Modell von Facebook & Co. 1:1 übertragen werden. Im Unternehmenskontext möchte der Mitarbeiter primär Dokumenten folgen und Neuigkeiten zu Produkten oder Fachthemen erhalten. Man darf also nicht zu viel Interaktion anbieten, aus der dann gefiltert werden muss. Vielmehr muss man Interaktion mit dem Schwerpunkt auf Geschäftsobjekte anbieten. Die Vernetzung mit Kollegen ist dann eher ein positiver Randeffekt, der aber auch als störendes Rauschen empfunden werden kann.

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Lutz Hirsch ist Executive Partner bei HIRSCHTEC und seit 1996 in der IT- und Internetbranche aktiv. Nach Stationen bei d.d. synergy und IBM Global Services gründete er 2003 die Agentur HIRSCHTEC Infoarchitects, mit der er Unternehmen bei der Einführung von Intranet- und Social-Workplace-Lösungen unterstützt.

 

 

Der Beitrag ist in der dritten Ausgabe des Fachmagazins BEYOND zum Thema Werkzeuge der Internen Kommunikation erschienen. 

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